Das heilige römische Reich ...

 

Pressemitteilung

21. März 2003

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"Das Heilige Römische Reich kann uns heute als Modell für ein Mitteleuropa der Regionen dienen", so lautet die These des Mainzer Historikers Prof. Dr. Peter Claus Hartmann, der auf Einladung des Altherrenzirkels "Buchonia" Fulda im Cartellverband der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen (CV) einen Vortrag im Hotel Ritter hielt.

Mit dem Prozess der europäischen Einigung und der anwachsenden EU-Bürokratie sei zugleich eine Zunahme regionaler Kräfte und die neuerliche Betonung der Regionen in Europa verbunden. Im Rahmen dieser aktuellen Diskussionen könne der Historiker eine Orientierung an historischen Modellen und speziell an der Wirklichkeit des Alten Reiches seit 1648 anbieten. Prof. Hartmann, Ordinarius für allgemeine und neuere Geschichte an der Universität Mainz, skizzierte zunächst die politische Realität des Reiches, dessen föderale Struktur den Territorien nach dem Westfälischen Frieden eine große Unabhängigkeit einräumte. Die Rechts- und Friedensordnung des Reiches, seine organisch gewachsene Verfassung und insbesondere das System der Reichskreise garantierte das friedliche Miteinander höchst unterschiedlicher Staats- und Regierungsformen.

Der im Westfälischen Frieden von 1648 geschaffene konfessionelle Ausgleich, die sprachliche Vielfalt, das wirtschaftliche und finanzielle Retablissement und ein ausgeprägtes Gemeinschaftsbewusstsein waren die Voraussetzungen für die Entfaltung einer einzigartigen kulturellen Blüte. Mit Hilfe von Lichtbildern veranschaulichte Prof. Hartmann die verschiedenen, konfessionell geprägten Kulturkreise des Alten Reiches: Die protestantische Lese- und Wortkultur, die stark sinnliche katholische Kultur und Minderheitenkulturen wie der Juden oder der Hugenotten. Als profunder Kenner der frühneuzeitlichen Reichsgeschichte und Verfasser einer "Kulturgeschichte des Heiligen Römischen Reiches 1648 bis 1806" gab Prof. Hartmann einen Überblick über die verschiedenen Ausdrucksformen und Träger dieser kulturellen Entwicklung. Das Territorium der ehemaligen Reichsabtei Fulda ordnete der Referent dabei der südlichen Reichshälfte zu.

Ungeachtet der Schwerfälligkeit der Reichsinstitutionen, des seit 1740 einsetzenden preußisch-österreichischen Dualismus und der weitgehenden Erstarrung der Verfassungsstruktur betonte Prof. Hartmann im Gegensatz zur älteren Forschung die positiven Aspekte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das somit als vormodernes Modell für ein Europa der Regionen interpretiert werden kann. Der Vorsitzende des Altherrenzirkels "Buchonia" Fulda, Dr. Norbert Herr, MdL, dankte Prof. Hartmann für seine Ausführungen und allen Diskutanten für die anregenden Diskussionsbeiträge.

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AHZ "Buchonia" im CV zu Fulda
Vorsitzender: Dr. Norbert Herr, MdL
von-Brentano-Str. 20, 36039 Fulda